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KLEINKIND * Respektvolle Kommunikation mit Kindern

Wie spreche ich am Besten mit meinem Kind? Was ist mir wichtig dabei?


Gedanken einer Schwangeren

In der Kugelzeit habe ich regelmässig in unserem schönen, sonnigen Altbauwohnzimmer gelegen (also auf dem Sofa dort), links ein Kaltgetränk und rechts das Tablet mit den neusten Foodblogs und Designtrends. Und eine grosse Schale voll mit eiskalten Orangenschnitzen. Auf die stand ich total. Nichts mit Wickel 1×1, das Mami-Buch .. sowas ist nichts für mich. Über Erziehung habe ich mir kaum Gedanken gemacht. Ich bin eher der „wird schon alles gut werden“ Typ und ich vertraue sehr auf meinen Bauch und meine Intuition. Mit der kleinen Bauchbewohnerin habe ich fortwährend gesprochen, was mich beschäftigt hat, wie sehr ich mich auf sie freue und ihr gesagt wie sehr ich sie liebe. Das war unsere erste Kommunikation.


Gedanken einer Mama eines Babys

Unsere kleine Tochter war auf der Welt und hielt uns ganz schön auf Trab. Keine Zeit um Nachzulesen. Nabel entzündet? Hebamme fragen. Zu viel Luft im Bauch? Schwester fragen welche Globuli man geben könnte. Wie lernt mein Baby alleine schlafen? Gar nicht. Meine Freundin ist Kinderärztin. Sie sagt „Erziehung beginnt mit dem ersten Tag“. Haaa, … an dem ersten Tag hatten wir keine Zeit für solche Sperenzchen. Nebenbei hat diese besagte Freundin keine Kinder.

Wir haben von Anfang an auf die Babysprache verzichtet. Wir haben beide, unbewusst oder bewusst, in normaler sanfter Tonlage mit unserer Tochter kommuniziert. Kein „guckigucki da ist ein Wauwau“ (ok wau-wau sage ich heute schon häufiger als Hund wenn ich genau drüber nachdenke …) oder „och bütte bütte noch ein Löffelchen Brei Brei?“. Zwar steht überall, dass häufige Wiederholungen und ein hoher Tonfall Kindern gefällt, aber mal im Ernst – welcher Mensch egal welchen Alters möchte denn so angesprochen werden? 

Und ja, meine Kleine hat circa 20 Kosenamen, die mir spontan einfallen, die variiert werden und auch in Momenten der überquellenden Liebe gern verwendet werden. Das ist ok so!


Gedanken einer Kleinkind-Mama

Montessori in das Leben integrieren

Nun ist aus dem wauschigen Babymädchen ein kleines Mädchen geworden, das die Welt selbst erkunden möchte und eine wahnsinnige Energie hat. In der Montessori Pädagogik geht es darum Kinder auf Augenhöhe respektvoll zu begegnen. Das mag sich im ersten Moment seltsam anhören, gerade wenn besagtes Kind einen Trotzanfall hat und zum Zornickel wird. Betrachtet man Kinder jedoch nicht als unreife Erwachsene sondern als junge neugierige Menschen mit eigenem Verstand, Wesen, Willen und Rechten, so ist es leichter zu verstehen.

Was heisst das im Alltag? Die Grundidee ist das Umfeld kindgerecht zu gestalten, so dass sich das Kind frei und unabhängig bewegen kann. Hilf mir, es selbst zu tun – ist der Leitsatz von Maria Montessori.

Bei uns gibt es daher im Flur einen Ankleidekorb mit den Jacken, Mützen, Schals für die Kleine. In ihrem Zimmer sind die Bücherregale tief, so dass sie selbst die Bücher herausnehmen kann. Spielsachen sind in Körben in den unteren Regalen zur freien Verfügung. Im Bad sind Zahnbürste und -pasta in eine kleinen Körbchen an zwei Haken in Griffhöhe angebracht. Im Wohnzimmer stehen auf dem Sofatisch ein Wasserglas und eine kleine Schale mit Obst. Die Idee ist, dass sich unsere Tochter frei bewegen kann und unabhängig von uns spielen, essen, trinken kann. Die Türen sind alle angelehnt, Gefährliches wurde beiseite geräumt. Es ist ein positives Ja-Umfeld. Da es kindgerecht ist, sind nur wenige „Nein“ notwendig. Davon hört sie in der Kita wahrscheinlich später noch genügend. Zu Montessori zu Hause werde ich später nochmal einen gesonderten Blogbeitrag verfassen.

Respektvolle Kommunikation statt Babysprache

Kommen wir vom Umfeld zur Kommunikation. Kommunikation auf Augenhöhe sieht anders aus als die normalen und üblichen Eltern-Kind-Gespräche, mit denen auch wir erzogen worden sind. Standardsprüche sind Floskeln wie „guck mal ALLE machen das“ oder „das macht MAN so“, weiterhin Erpressungen „WENN du deine Pizza nicht auf isst, gibt es keinen Nachtisch“ und Drohungen „Fräulein (oder besser noch der volle Kindername inklusive dem Zweitnamen und Nachnamen) noch EINMAL und ich … !“. Ich möchte den Eltern, die so mit ihren Kindern sprechen keinesfalls einen Vorwurf machen. Sie wissen es meist nicht besser und handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Auch ich bin so erzogen worden und aus mir ist halbwegs etwas geworden.

Wir versuchen unserer Tochter viel zu erklären und ihren Willen mit einzubeziehen. Das klappt mal besser und mal weniger gut. Frage ich sie zum Beispiel „Hast du Lust rauszugehen?“ und sie sagt ihr aktuelles Lieblingswort „Nein“, so respektiere ich ihre Antwort und wir bleiben erstmal drinnen. Sie wird zu allen Entscheidungen mit befragt und ihre Meinung für voll genommen. Das ist unglaublich wichtig für die Entwicklung, da sie weiss, dass ihre Meinung wertgeschätzt wird. Keinesfalls wäre es sinnvoll zu fragen „Hast du Lust zu baden?“ und es bei einem „Nein“ dann doch zu machen. Manch einer denkt sich jetzt vielleicht: versteht eine 1.5 Jährige, denn alles was ich sie frage? Ehrlicherweise kann ich das nicht zu hundert Prozent bejahen. Die wichtigen Kernsätze kann sie jedoch sicher erfassen, Schlüsse ziehen und Schlüsselwörter erkennen.

Positive Wortwahl vorleben

Ich versuche die Wörter „müssen“, „sollen“, „man“, „eigentlich“ und „aber“ zu vermeiden. In jeglicher Kommunikation. „Müssen“ zu vermeiden fällt mir leicht. Dieses Wort vermisse ich überhaupt nicht. Dafür fällt mir auf, wie oft es von anderen verwendet wird. Wenn wir mal ehrlich sind – was müssen wir denn wirklich? „Ich muss jetzt noch einkaufen gehen“, „du musst das jetzt aber anziehen“ … Wir möchten gern einkaufen damit wir etwas zu essen haben und es wäre mir lieber, wenn du es anziehst wie es draussen kalt ist. Aber ein „Muss“ ist es nicht. Schwieriger wird es bei dem Wörtchen „aber“. Da schummeln ich öfters und nehme dann „jedoch“ – auch nicht besser. Jedoch arbeite ich daran 🙂

Auflistung wie Ihr respektvoll mit Euren Kindern sprecht

Gute Vorsätze und die Realität

Natürlich gibt es auch bei uns Tage, wo wenig Zeit für Montessori und Augenhöhe und Attachment Parenting ist. Die Kommunikation hängt hinterher, einiges wird einfach entschieden ohne nachzufragen. Manchmal ist der Zeitplan straff und genau dann ist Mama angespannt und weniger geduldig. Manchmal sage ich dann auch „ich sch.. auf Montessori“ und pack die Kleine einfach ein. Klar tut es mir im Nachhinein, nein schon in dem Moment leid, und ja, ich entschuldige mich dann aufrichtig bei ihr. Ich versuche dann auch beim nächsten Mal z.B. früher aufzustehen oder einfach 15min eher loszulaufen, damit noch genügend Zeit bleibt für die ersten alleinigen Anziehversuche und die Schneehaufen auf dem Weg.

Es gibt Tage, da habe ich ganz viel Zeit und Muße und lasse mich vom Töchterchen führen. Sie bestimmt den Rhythmus, ihr Spiel. Wir spielen worauf sie Lust hat, wo und wie lange. An anderen Tagen ist leider weniger Zeit und sie läuft einfach mit. An diesen Tagen erkläre ich dann auch warum wir heute nicht so viel Zeit haben wenn wir unterwegs sind und gebe auch ehrlich zu, wenn es an meiner Fehlplanung liegt. Ich versuche immer ehrlich zu ihr zu sein. Das hat sie verdient. Wenn ich z.B. nicht möchte, dass sie etwas isst, weil es zu viel Zucker hat/ungesund ist oder Ähnliches, dann sage ich ihr das so und behaupte nicht es würde nicht schmecken.

Wie ihr seht gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten mit seinem Kind zu kommunizieren. Unser Weg ist sicher auch ein Mittelweg, der nach dem trial and error Prinzip meistens gut funktioniert.

Lena hat in ihrem tollen Blog kraftvollmama.de einen interessanten Bericht über gewaltfreie Kommunikation in der Familie geschrieben.

Ich möchte ehrlich, positiv und respektvoll mit meiner Tochter sprechen, in jeder Situation. Und ja das kostet eine Menge Nerven, Zeit und Geduld und oftmals verfluche ich insgeheim diesen unseren Weg. Wenn ich meiner Tochter dann genau erkläre warum ich nicht möchte, dass sie etwas tut und sie mich mit Ihren grossen Kinderaugen treuherzig anschaut und „jup“ sagt, dann ist das das schönste Geschenk. Dann weiss ich wieder warum mir die respektvolle Kommunikation mit meiner Tochter so wichtig ist.

Macht Ihr Euch Gedanken darüber, wie Eure Worte auf Eure Kinder wirken? Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Montessori-Pädagogik in Eurem Umfeld und zu Hause? Ich freue mich über Eure Kommentare.

 

Eure Laura

 

2 Kommentare

  1. Valentina La Valentina La

    Hallo Laura,

    Was für ein gelungener Beitrag.
    Ich habe auch eine Tochter (17 Monate) und hole mir immer wieder Inspiration für einen angenehmen Umgang mit ihr. Wir machen vieles sehr ähnlich wie du beschrieben hast, die Idee mit dem Jackenkorb im Vorzimmer möchte ich bald umsetzen!

    Im Internet findet man so viele tolle Meinungen, auf der Straße (oder halt auf Spielplätzen) finde ich es allerdings wirklich schwierig solche Mamas mit ihren Kids kennenzulernen. Wo verstecken sich die nur??

    Vielen Dank nochmal 🙂

    Alles Liebe,
    Valentina

    • Liebe Valentina,
      schön, dass Dir mein Artikel gefallen hat. Ich habe in meinem Freundesskreis auch keine Mama, die so tickt wie ich – eigentlich schade. Ich wüsste auch gerne wo die sich verstecken.
      Falls ich welche finde, sage ich Dir Bescheid 🙂

      Viele Grüsse,
      Deine Laura

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