Zum Inhalt springen

KLEINKIND * Sie ist weg und ich bin wieder allein allein, Vereinbarkeit und die Fanta 4

Tiny litte best friend. Kita-Start, meine-kleine.de
Tiny litte best friend. Kita-Start, meine-kleine.de

Es ist soweit – meine kleine Tochter kommt in die Kita. Hey, no big deal sagen jetzt vielleicht die Mehrfach-Mamas. Für mich ist es das aber. Ein ganz schön grosser Brocken. Hallo Vereinbarkeit. Du hast einen neuen Follower.

„hey heute ist wieder einer der verdammten Tage

die ich kaum ertrage und mich ständig selber frage

warum mich all diese Gefühle plagen die ich nicht kannte

oder nur vom Hörensagen“

(Sie ist weg, Fanta 4)

Ursprünglich wollte ich gerne nach einem Jahr wieder arbeiten gehen. Ich mag meinen Job und dachte klaro, Kita-Anmeldung check, warten auf den Platz. Naja. Die Kleine wuchs mir ziemlich schnell ans Herz. Wir warteten und telefonierten mit den Kitas und es passierte – nüscht. Ich bin jetzt auch nicht der Typ Mutti, die mit einem selbstgebackenen Kuchen die Kita-Leitungen abklappert. Das ist einfach nicht mein Ding. Aber immer mal anrufen und nachfragen, das kann ich ja schonmal machen. Durch den Umzug von Stuttgart nach Frankfurt lagen wir dann in der Hitliste ziemlich weit hinten. Und als Verheiratete mit zwei Einkommen sowieso. Es kam wie es kommen musste. Das Jahr war rum und ich war immer noch zu Hause. Erstmal Drama. Es ist nicht so, dass ich die Zeit mit der Kleinen nicht schön finde. Ich hatte nur einen anderen Plan.

Leben ist das, was passiert, während Du andere Pläne machst – heisst es doch so schön.

Endlich bekamen wir einen Platz in einer Kita angeboten. Allerdings war die riesig (fast 300 Kinder, das finde ich echt viel). Sie hatte einen umzäunten Aussenplatz an der Hauptstrasse und direkt gegenüber waren sowohl das Männerauffangheim als auch die Kneipenmeile. Glasscherbendeko auf dem Bürgersteig. Beim Abgeben der Kinder morgens noch die Resterampe treffen. Auf gar keinen Fall. 

Also blieb ich zu Hause. Und da bin ich auch noch heute, nach anderthalb Jahren.

Und wisst ihr was? Was sich anfangs als Zwangspause oder berufliches Abstellgleis anfühlte, hat sich als ziemlich spitzenmässige Zeit entpuppt. Es gibt auch Schlimmeres als im Sommer noch in Elternzeit zu sein. Klar habe ich anfangs oft an den Job gedacht, gerade in der Zeit als die Kleine noch nicht so mobil und fit war. Da habe ich zwischen Obstmatsche und Spielebogen schon mal sehnsüchtig an meine Kollegen gedacht. Und meinen Mann beneidet, der sich jeden Tag für’s Büro schick machen durfte. Seine Kollegen traf, Gespräche mit anderen Erwachsenen führte … Sogar essen konnte er auch wann er wollte. Und pinkeln bei geschlossener Tür! Ja ich war neidisch. Das führte natürlich auch zu Differenzen zu Hause, machen wir uns nichts vor. Einhörner und rosa Elefanten gehören bestimmt nicht in die Elternzeit.

Nachdem ich mich dann mit der Situation angefreundet hatte, lief es immer besser.

Haushalt ist mein Kryptonit

Ich finde es völlig ok, wenn nicht jede Frau ihre Erfüllung im zu-Hause-sein findet. Ja, ich koche sehr gern und habe es gern ordentlich. Aber Haushalt machen finde ich furchtbar. Es ist einfach ein undankbarer Job. An manchen Tagen habe ich das Gefühl die ganze Zeit entweder die Spülmaschine ein- oder auszuräumen, hier und da zu wischen und Dinge wegzuräumen. Bei uns wird auch nicht gebügelt. Die Hemden meines Mannes kommen in die Reinigung und ich hab einfach nichts bügeliges an.

Mit der Ordnung ist das auch so eine Sache. Ich kann da nicht aus meiner Haut raus. Ich mag es gerne wenn es in unsere Wohnung gemütlich ist und es gelebt aussieht. Nicht so wie in einem Wohnmagazin. Kleine Autos auf dem Boden, Kinderbücher verstreut … das mag ich! Nicht so dolle finde ich dann die Kaffeetassen vom home-office Mann oder die schmutzigen Socken vor dem Waschmaschinenräumchen (die Tür muss wahnsinnig schwer aufzumachen sein). Um nicht permanent aufzuräumen, lasse ich das jetzt. Also dieses Zwischenaufräumen. Ich räume vielleicht 2x am Tag den Boden auf und habe gern Esstisch und Küchenarbeitsplatte frei. Punkt. Das reicht für mein Ordnungsherz und meinen Puls. So habe ich dann noch genug Zeit für die schönen Dinge, wie Zeit für meine Tochter. Und das ist doch das was zählt. Wenn sie mal älter ist, möchte ich nicht, dass sie mich als die ständig-aufräumende Mama in Erinnerung hat. Ich möchte, dass sie sich daran erinnert, dass wir zusammen gespielt haben. Zusammen gebacken und gekocht haben. Dass es nach Zimt oder frischen Plätzchen zu Hause roch. Und dass ich immer Zeit für sie hatte.

Jetzt bin ich so richtig in der Elternzeit angekommen.

Morgens gemütlich mit der Kleinen aufstehen, ins Bad, Kaffee machen (wenn es nicht wie hier läuft), zusammen frühstücken. Je nach Wetter und Laune kommt dann eine Spieleinheit zu Hause oder wir drehen unsere Einkaufs/Bummel- und Spielplatzrunde. Oder treffen Playdates. Früher dachte ich da an Hugh Heffner. Heute weiss ich, dass es einfach nur andere Mamas mit Kinder sind. Oh du schöne Elternwelt.

Zum Mittag gibt es bei uns was Kleines zu essen. Dann (mein Lieblingsteil des Tages 🙂 ) ein Mittagsschläfchen.

Abschied in die Kita
Abschied in die Kita

Nach dem Aufstehen einen Milchkaffee für die Mama, Milchschaum für die Lady und was Süsses dazu. Dann kommt meist der Papa nach Hause und wir machen was Schönes zu dritt, wie z.B. eine Radtour am Main oder zur Eisdiele. Das Leben ist schön!

Und jetzt, wo wir so einen schönen Rhythmus haben kommt der Kita-Platz und ich fange wieder an zu arbeiten. Badabum. Wird es klappen mit der Vereinbarkeit?

Nächste Woche geht es also wieder los mit dem Arbeiten. Morgens wieder den Wecker stellen (mein aktueller Wecker hat kleine hellbraune Löckchen, ist aber manchmal nicht so zuverlässig), Frühstück im Auto, ständiges auf die Uhr gucken … oh je, hab ich DAS wirklich vermisst?!

Die letzten Tage werde ich also nochmal so richtig geniessen und dankbar sein, dass ich die Möglichkeit hatte länger mit meiner Tochter zu Hause zu bleiben. Wie eine Freundin so lieb sagte „schön, dass Du Deiner Tochter noch ein halbes Jahr Zeit geschenkt hast„. Wir zwei sind richtig dicke geworden in den letzten anderthalb Jahren und kennen uns in- und auswendig. Naja, wir haben ja jetzt auch wirklich alles miteinander geteilt und waren fast nie getrennt. Wie Anna Cochran in ihrem Interview bei Frida be Mighty so schön sagte: „You gain a tiny little best friend who adores you (and drives you mad at a time!)“.

An alle Mamas mit Zweifeln, Ängsten, Vereinbarkeitsstreits zu Hause – ich bin bei Euch. Ich weiss jetzt auch was Ihr durchmacht. Es ist nicht einfach. Ich hoffe es ist machbar. Eure Kindern sind dankbar für alle Zeit, die Ihr ihnen schenkt. Sie verstehen es  auch, wenn Arbeit wichtig für Euch (oder den Kredit 🙂 ) ist.

Ich drücke meine Kleine bei jeder Gelegenheit, sauge alle Eindrücke in mich auf, rieche an ihren Haaren, die immer noch so schön nach Baby, Calendula und Keksen duften. Und rede mir ein, dass alles gut wird. Dass ich das schaffe. Dass wir das schaffen, als Familie. 

Unsere Kinder sind glücklich, wenn wir es sind.

Jetzt heisst es durchatmen, loslassen, auf das Neue freuen!

Wie ging es Euch beim Wiedereinstieg in den Beruf? Oder steht er Euch auch noch bevor? Ist Vereinbarkeit machbar oder das Unwort des Jahres? Ich freue mich über Eure Kommentare.

 

Liebe Grüsse,

Eure Laura

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.