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KLEINKIND * Einfach Unerzogen

Einfach Unerzogen - Kleinkind Kolumne bei meine-kleine.de über den Erziehungsstil ohne Erziehung
Einfach Unerzogen – Kleinkind Kolumne bei meine-kleine.de über den Erziehungsstil ohne Erziehung

Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch mal in meine nicht-vorhandene Erziehung einweihen. Nämlich das Unerzogene.

Vorteil – wer nicht ERzieht, kann auch nicht VERziehen 🙂

Was hat es also auf sich und wie bin ich dazu gekommen?

Bei „Unerzogen“ denkt Ihr vielleicht erstmal an das unerzogene Gör von nebenan, das sich total daneben benimmt, aussieht wie Pippi Langstrumpf und den Eltern auf der Nase herumtanzt.

Unerzogen ist aber viel mehr als eine Erziehungsweise.

Es ist eine Einstellung oder besser ein Lebensstil. Hier kommt es darauf an das Kind als vollkommen, perfekt und gleichwertig anzusehen. Hat auch ein bisschen was esoterisches oder buddhistisches wenn Ihr so wollt. Das Kind ist schon gut so, wie es ist. Es muss nicht noch irgendwo hin erzogen oder geformt werden.

Ich verwende keine Strafen oder Belohnungen.

Wenn ich schon erpresse, weil ich es eilig habe/genervt bin/whatever, dann sage ich es ehrlich. „Das ist jetzt klassische Erpressung, aber zieh bitte deine Schuhe an sonst können wir nicht rausgehen“. Dann hab ich einfach keine Lust auf Erklärbär-Bla. Kommt bei mir auch vor. Gelobt wird wenig, denn durch Lob bekommt das Kind suggeriert „wenn ich A mache, freut sich Mama“. Es malt dann nicht ein Bild weil es das gern möchte, sondern um zu gefallen.

Es gibt kein „MAN macht das nicht“ oder „DIE ANDEREN machen das auch nicht“ oder „das gehört sich nicht“

Es gibt „ich möchte nicht, dass Du das machst weil …“. Meine Wertvorstellungen lebe ich meiner Tochter vor und spare mir dadurch die Belehrungen. Sie bekommt ganz natürlich mit was „sich gehört“ und was nicht.

Und ganz sicher gibt es auch beim Hinfallen/Weinen kein „ist doch nichts passiert“ oder noch besser O-Ton Schwiegervater „nit heule!“. Wenn ein Kind weint aus Gründen, die wir kennen oder auch nicht ist immer etwas passiert, weswegen es unseren Trost braucht. Das Kind zeigt seine Gefühle und braucht uns. Ich tröste immer, nehme sie in den Arm und schenke Aufmerksamkeit- egal wie klein die Blessur ist.

Ich habe keine Angst meine Tochter zu verziehen.

Sicherlich gibt es manchmal Momente in denen die Leine sehr lang ist und auch mein Mann mit den Augen rollt. Zum Beispiel wenn sie die grosse Tasche mit den Papiermüll aus der Küchenecke herauszieht, sie schultert, zum Sofa läuft und alles auskippt. Warum soll ich sie stoppen? Es gibt nur einen Grund. Weil ich keine Lust habe den Papiermüll wieder einzusammeln. Ich kenne nicht ihre Beweggründe. Geht es um das Sammeln? Das Verteilen? Die Geräusche, die die unterschiedlichen Papier-und Pappschachteln beim Fallen machen? Eins ist sicher. Sie folgt einer inneren Logik oder einem Drang und lernt dabei. Kinder lernen bei allem was sie tun. Ich möchte sie nicht daran hindern. Im Kindergarten hört sie das früh genug.

Ein Beobachter könnte vielleicht denken mein Kind würde keine Grenzen kennen. Wäre ja narrenfrei.

Nein. Meine Tochter ist einfach FREI.

Es gibt natürlich feste Grenzen. Diese werden von der Umwelt vorgegeben und da rüttelt auch das Unerzogene nicht dran.

Stehenbleiben an der Strasse. Auf die Ampel achten. Andere Menschen nicht verletzen.

Dann gibt es Dinge, die sich angeblich für Kinder gehören. Von denen halte ich nichts.

Sie sollen immer nett und lieb sein. Oma und Opa einen Kuss auf die Wange geben, wenn sie gehen. Ihr neues Spielzeug mit anderen Kindern teilen. Nicht zu viel Schokolade essen. Nicht mit dem Essen spielen.

Hättet Ihr das Lust drauf? Immer gute Laune zu haben? Andere Menschen an die Wange zu küssen wenn ihr nicht wollt? Den Nachbarn als Erstes Euer brandneues Auto fahren zu lassen direkt nach der Zulassung? Jeden Tag nur ein Stück Schokolade zu essen?

Wieso erwartet die Gesellschaft diese Dinge von Kindern?

In unserer kleinen heilen Welt ist unsere Tochter gleichberechtigt und vor allem gleichwertig. Ich behandle sie so, wie ich gerne behandelt werden möchte. Das bedeute auch, dass ich sie nicht vor anderen ausschimpfe. Wer möchte denn gern vor anderen bloßgestellt werden? Ich rede auch nicht schlecht über sie, vor allem nicht, wenn sie im Raum ist.

Wir verwenden jeden Tag unser gutes Geschirr. Das bekommt sie auch. Warum soll sie denn von Kinderplastikgeschirr essen? Ja, es gehen immer mal ein Glas oder ein Teller kaputt. Mir aber auch.

Beim Essen sind wir auch liberal. Die Kleine sitzt in ihrem Hochstuhl und bekommt auf ihrem eigenen Teller von allem etwas angeboten. Sie kann es gerne essen, wird aber nicht gezwungen. Es gibt kein „du musst den Teller aufessen“ oder „ess noch dein Gemüse sonst gibt es keinen Nachtisch“. Ich hab ja auch nicht jeden Tag Lust auf das gleiche Essen.


Ihr seht – unerzogen ist nicht schwer. Es ist keine Erziehung. Es ist einfach eine positive Einstellung dem Kind gegenüber, dass es perfekt ist wie es ist und lediglich liebevolle Unterstützung braucht.

Probiert es aus!

 

Viele Grüsse,

Eure Laura

P.S. Unerzogen ist nicht nur Ponyhof. Es ist mega anstrengend. Es fordert all meine Geduld. Eine Herausforderung. Ich habe sie angenommen weil meine Tochter so wundervoll ist und es sich im Herzen richtig anfühlt. 

 

 

2 Kommentare

  1. Michaela Michaela

    Danke.
    Danke das du nicht belehrst. Ich mag, dass du einfach deine Sicht der Dinge wider gibst, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich erwas anders mache!
    Ich mag diesen Schimpansen-Ansatz: groß macht vor und klein macht nach. Das scheint mir die natürlichste Art des aufwachsens zu sein.
    Danke auch für dein P.S. – allerdings hätte ich es gern zu beginn gelesen. Bei vielen yBloggern entsteht oft wirklich der Ponyhof-Eindruck. Und damit bekommt die Leserin gleich wieder das Gefühl etwas falsch zu machen, wenn ihr mal was über den Kopf wächst . Wir stehen mit unserem Newblrn noch ganz am Anfang und gehen schon jetzt den „wir haben das Gefühl es ist gut für ihn“ Weg und nicht den, der für uns am bequemsten ist. Das verwundert jeden um uns rum und das Gute-Ratschläge-„sonst passiert was ganz schlimmes!!! Buch“ sollte auch bald voll sein; aber das ist egal. Das Baby lacht und ist fröhlich und manchmal weint und wir sind immer da.

    • Liebe Michaela,

      danke für Dein Kompliment. Du hast recht – den P.S. Satz würde ich nächstes Mal auch zuerst hinschreiben, aber ich tippe die Artikel meist in einem Rutsch weg und dann fällt mir später erst auf, was vielleicht besser gewesen wäre. Ich bin da auch noch im Lernprozess.

      viele Grüsse,
      Laura

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