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NACHHALTIGKEIT * Asoziale Social Media – Bist Du noch online oder lebst Du schon?

Asoziale Social Media - bist du noch online oder lebst du schon? meine-kleine.de

Ich hasse mein Handy. Es nervt einfach. Genauer betrachtet ist es eine Hass-Liebe. Mein Mann und ich haben erst spät Smartphones gekauft. Schade, dass ich es damals nicht noch herausgezögert habe. Ich mochte mein Unsmartphone. Wie hiessen die eigentlich damals? Sie wurden primär zum anrufen oder SMS schreiben verwendet. Das hat auch gereicht! Heute ist das Handy Begleiter Nummer 1, entweder mit der Hand oder dem Ohr dauerhaft verwachsen und aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

Hauptstadt von Ecuador? Schnell gegoogled. Rezept für Rhabarber-Crumble? Chefkoch.de. Wer kommt mit auf den Spielplatz? Anfrage in die WhatsAppGruppe „PlayDate Sachsenhausen“. Kollege schreibt ob ich morgen seinen Dienst machen kann per WhatsApp. Lieber mal im Flugzeugmodus bleiben und überlegen. Nächstes Wochenende Zeit? Schnell mal im synchronisierten Familienkalender schauen. Ha, vor Dezember ist nix mehr frei. Nur Spass.

Das Handy ist ein Fluch.

Jeder, der mich kennt, weiss wie ungern ich telefoniere. Das war schon immer so. Ich mag es einfach nicht, den anderen beim reden nicht zu sehen. Und man schwafelt auch irgendwie mehr und ist abgelenkt. Sitze ich jemandem gegenüber hat er/sie meine volle Aufmerksamkeit. Ich kann ganz bei ihm/ihr sein. Am Telefon könnte ich theoretisch nebenbei noch kochen und staubsaugen. Adé single-taskenIch spreche oft mit Menschen und dann holen die einfach im Gespräch ihr Handy raus, nicken weiter und tippen auf dem Handy. Hallo?

Während des Essens ist bei uns Handyverbot.

Das klappt meist, es sei denn mein Mann hat Homeoffice. Dann klingelt das Diensthandy alle paar Minuten und das private Handy brummt aufgrund der ganzen WhatsApp Gruppen. Und mein Mann ist weder bei Twitter, Facebook oder Instagram. Dann bräuchte er bestimmt noch ein drittes Gerät. Jedenfalls nervt mich das tierisch. Und bietet zu Hause auch immer wieder Konfliktpotential.

Ich lege nicht viel Wert auf mein Handy. Klar, jetzt da ich blogge nutze ich es mehr. Gerade für Pinterest und Co. Oftmals lasse ich es jedoch irgendwo liegen. Morgens schalte ich bewusst erst nach dem Frühstück den Flugzeugmodus aus. Ob es nun das Samsung S4 mini oder iPhone 17 ist – mir Wurst. Es soll funktionieren und es ist schön, wenn die Schnappschüsse meiner Tochter scharf sind.

Bin ich bei meiner Tochter – bin ich bei meiner Tochter.

Das Handy liegt dann irgendwo herum auf lautlos. Es ist sowieso immer auf lautlos, es sei denn ich erwarte einen Anruf oder die zwei sind unterwegs. Freunde rufen deswegen manchmal meinen Mann an 🙂 Schlechte Erreichbarkeit ist nichts Schlimmes. Macht Euch doch mal frei von dem Zwang. Sich mal rar machen.

Abschalten.

Diese Erreichbarkeitserwartung nicht erfüllen. „Ich habe Dir doch eine WhatsApp geschrieben“. Na und? Ich sitze nicht wie die meisten auf meinem Handy oder drücke alle 10min drauf aus Angst ich könnte etwas verpassen.

Angst etwas zu verpassen

Ehrlich gesagt finde ich es ziemlich unhöflich wenn wir z,B. Besuch haben und der dann nach dem Essen am Tisch mit seinem Handy herumdudelt. Oder sich Freunde auf’s Sofa setzen und erstmal ihr Handy herausholen. Was ist das für eine Unart? Sie sind eingeladen Zeit mit UNS zu verbringen. Reichen wir Ihnen nicht? Was kann so Wichtiges auf dem Handy ankommen?

Ich habe auch das Gefühl, dass in unserer Zeit Verabredungen nicht mehr so wichtig genommen werden. Pünktlichkeit, eine so wichtige Tugend, gerät ins Hintertreffen. „Komme 10 min später“. Haben wir uns in der handylosen Zeit einfach mehr bemüht pünktlich zu sein? Weil wir den anderen nicht informieren konnten? Ich weiss es nicht mehr.

Unsere Kleine telefoniert gern. Mit duplo.

Nickt bedeutsam und läuft dabei durch die Wohnung. So wie wir. Ein trauriges Beispiel.

Wenn wir zusammen weggehen oder am Wochenende spazieren, lasse ich das Handy gern zu Hause. Ich bin dann mit den liebsten Menschen auf der Welt zusammen. Ich möchte bei Ihnen sein. Und nicht ständig weil es in meiner Tasche brummt abgelenkt werden. Was kann denn schon so wichtig sein?

Und ganz im Ernst – wie viele Notfälle gibt es denn schon, dass man das Handy SOFORT braucht? In meinem Leben bisher – keinen. Mein Mann hat sein Handy sogar nachts an. Falls was mit seinen Verwandten ist. Kann man drüber streiten. Bei meiner Freundin Judith und ihrem Freund herrscht Handyverbot im Schlafzimmer. Das finde ich toll! Kann ich aber zu Hause nicht durchsetzen. Leider.

Gehen wir essen, so sehen wir manchmal Paare im Restaurant, die sich gegenübersitzen und in ihr Handy starren. Wie traurig. Wenn wir Glück haben schreiben sie sich noch eine WhatsApp gegenseitig.

Ich möchte in der realen Welt leben.

Vielleicht mache ich mal eine handyfreie Woche? In den USA gibt es sogar Camps zum Entzug der Sozialen Medien. Hier zum Beispiel. Verrückt, oder?

Habt ihr sowas schonmal gemacht? Haben wir sowas nötig?

Asoziale social media

Soziale Medien. Ein Wortspiel. Sozial weil sie angeblich verbinden. Sozial als das geregelte Leben, die Gesellschaft betreffend. Was macht aber Medien sozial? Die Möglichkeit, dass sie für alle zugänglich sind? Sie Menschen vernetzen?

Soziale Medien können einsam machen. Und einsamen Menschen ein normales Leben mit (virtuellen) Kontakten vorgaukeln. Bei Facebook habt Ihr sicherlich hunderte Freunde. Wie viele davon trefft ihr wirklich? Wie viele sind Euch wichtig? So wichtig, dass ihr in Echtzeit über den Status ihres Lebens informiert sein müsst?

Asoziale soziale Medien. Handy Hass Liebe bei meine-kleine.de
Asoziale soziale Medien. Handy Hass Liebe bei meine-kleine.de

Das traurigste Beispiel vom Spielplatz letzte Woche

Eine Mutter im Dauertelefonat auf dem Spielplatz. Die zweijährige Tochter (ich weiss auch Namen, Geburtstdatum und Ort weil die Mutter lautstark alles telefonisch durchgegeben hat) spielt mit sich alleine auf dem Platz. Nach 20min läuft sie zur Schaukel und möchte hoch. Schafft es nicht alleine. Nach langem bemerkbar machen kommt die Mutter. Hat das Handy in einer Hand und versucht die Tochter mit dem anderen Arm reinzugeben. Klappt nicht. Tochter braucht mehr Hilfe. Mutter krallt das Handy fest. Ende vom Lied – Mutter setzt die Tochter wieder ab, diese weint, Mutter geht mit Handy zurück und setzt sich wieder auf die Bank. WTF?

Gestern Abend waren wir in einem schönen Restaurant am Main draussen essen. Nur wir drei. Handys waren zu Hause. Es gab uns, Tapas bis zum Abwinken, Sozialstudien über die anderen Gästen und gute Gespräche. Wie im echten Leben. Schön war’s.

Ich denke ein gesundes Maß an Erreichbarkeit und sozialen Medien ist in Ordnung.

Wieviel davon jeder braucht, ist jedem selber überlassen. Ich versuche meine Handynutzung auf das Nötigste zu reduzieren. Keine ständigen WhatsApp zwischendurch. Ich mache meist bingewhatsAppen. Das heisst zwei Mal täglich: beim Mittagsschlaf der Kleinen und abends wenn sie im Bett ist.

Damit komme ich gut zurecht. Wie handhabt ihr das?

Und jetzt Feierabend.

 

Schönes Wochenende,

Eure Laura

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